Warum Bambus?


Bambus - sicherlich eine Pflanze, die weltweit einen hohen Bekanntheitsgrad genießt und bei den meisten von uns, ob bewusst oder unbewusst, zunächst einmal Assoziationen mit Pandabären und deren Herkunftsland China, oder allgemeiner mit Asien weckt. Doch was wissen wir eigentlich wirklich über Bambus und seine mannigfaltigen Nutzungsmöglichkeiten? Botanisch betrachtet gehören die Bambusgewächse (Bambusoideae) zur Familie der Süßgräser, jedoch wachsen tatsächlich nur etwa 130 Arten wie gewöhnliche Gräser, während alle anderen bekannten Bambusarten (über 1400!) während ihres Wachstums allmählich verholzen. Interessant ist für uns im Folgenden der zweite, verholzende Typus, der mit etwa 500 Arten seine größte Verbreitung in China findet.

 

Für die Chinesen und ihre geschichtsträchtige Zivilisation hat Bambus seit Jahrtausenden eine herausragende Bedeutung als Roh- und Baustoff, die auch heute noch allem Wandel zum Trotz ungebrochen ist. In China ist Bambus nahezu omnipräsent, sei es in der Bauindustrie, in der Möbelherstellung, in der Textil- und Papierindustrie oder auch als Nahrungsmittel. Die aufgrund ihrer physischen Eigenschaften als Baumaterial interessantesten Bambusarten sind vor allem im Osten des Riesenreiches beheimatet, d. h. in den Provinzen Jiangxi, Anhui und Fujian sowie insbesondere in Zhejiang und Jiangsu.

                                      Bambusbrücke in der chinesischen Provinz Guangxi

Verändert haben sich mit dem technischen Fortschritt natürlich die Möglichkeiten der Verarbeitung und Nutzung von Bambus. Hat das Material in seinem natürlichen Zustand schon hervorragende Eigenschaften wie z.B. eine hohe Rohdichte von je nach Art 0,6 bis 0,8 g/cm³, lassen sich diese mit den heutigen Möglichkeiten noch weiter optimieren. Ein Paradebeispiel für ein derart verfeinertes Bambuserzeugnis ist der Faserbambus. Dieser wird hergestellt, indem die rohen Bambushalme der Länge nach aufgefasert und dann zunächst karbonisiert oder gewässert werden, wodurch ihnen vor allem Zuckeranteile entzogen werden, die sonst schädlichen Mikroorganismen als Nährboden dienen könnten. Anschließend wird das Material in Kunstharzleim getaucht und unter enormen Druck verpresst, so dass je nach mechanischem Druckaufwand beim Endprodukt eine Dichte von 1,1 bis 1,3 g/cm³ problemlos erreicht werden kann. Weitere herausragende Eigenschaften des Faserbambus sind eine enorme Härte und Zugfestigkeit bei gleichzeitig hoher Elastizität, letztlich also eine gleichermaßen seltene, wie vorteilhafte Kombination. Hinzu kommen weiterhinein Schwind- und Quellverhalten, das gegen Null tendiert sowie eine langfristig hohe Farbstabilität, da Bambus weder spürbar ausbleicht noch abdunkelt.

Als wären all diese positiven Eigenschaften noch nicht genug, hat das Material Bambus noch ein weiteres Ass im Ärmel, dem gerade in Zeiten allgegenwärtiger ökologischer Probleme und des Klimawandels eine besondere Bedeutung zukommt: Bambus wächst so schnell, dass man fast zuschauen kann (bis zu 60 cm pro Tag!), reproduziert sich in hohem Maße und kann bereits nach fünf Jahren des Wachstums geschlagen werden, da er dann schon optimal verholzt und ausgehärtet ist. Im Gegensatz zu Harthölzern, wo das Wachstum der Bäume oftmals viele Jahrzehnte beansprucht, ist Bambus also ein stark nachhaltiger Rohstoff, auf den auch ökologisch sensibilisierte Verbraucher ruhigen Gewissens zurückgreifen dürfen! Letztlich ist die Entscheidung für den Einsatz von Bambus gleichzeitig auch ein Beitrag zur Einschränkung der globalen Zerstörung von Wäldern, deren Fortbestand als grüne Lunge der Erde für unser Klima doch so wichtig ist. Man sieht, es gibt gute Gründe, die für Bambus sprechen.

(c) Martin Thyssen, 2009